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Der Große Brand 1865 |
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Oberstdorf im Feuersturm |
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125 Jahre sind ins Land gegangen
seit bei der großen Brandkatastrophe rund die Hälfte
der Wohngebäude des Marktes Oberstdorf in Schutt
und Asche sanken. Was war geschehen? Seine königliche
Hoheit Prinz Luitpold von Bayern - der spätere Prinzregent
war zur Hahnenbalz in Oberstdorf angekommen und mit seinen
Jägern gleich ins Warmatsgundtal aufgestiegen. Im
Jagdhaus an der heutigen Ludwigstraße quartierte
sich die Begleitung des Jagdherrn ein. Georg Sanetfried,
der Stationskommandant der kgl. bayerischen Gendarmerie
in Oberstdorf, zeichnete für die Sicherheit verantwortlich.
Personenschutz, Objektschutz, Observation des Umfeldes
und was es sonst heute an Vorkehrungen gibt, machte alles
Sanetfried alleine. Im Klartext: Er bezog das Jagdhaus
in seinen nächtlichen "Patrouillendienst"
mit ein. |

Bild 1: Der Brand von Oberstdorf
gezeichnet vom
Königl. Bayer. Bezirksamtmann
Haitinger aus Sonthofen. |
Am 6. Mai 1865 gegen 2 Uhr
"streifte" der Gesetzeshüter vom Jagdhaus
kommend wieder der Ortsmitte zu. Doch was war das?
Brandgeruch lag in der Luft! Und, war da nicht ein
Feuerschein links neben der Kirche? Ja, immer deutlicher
war jetzt das Flackern des Lichtscheines am Kirchturm
zu sehen. Sanetfried rannte als ginge es um sein Leben.
Auf der Bäckergasse, der heutigen Hauptstraße,
angekommen, sah er schon das Feuer. Aus dem Hause
des Franz Schratt (heute Hauptstr. 13 am Bahnhof)
schlugen die Flammen und fingen sich im schindelgedeckten
Vordach. Sekunden später loderte der Brand schon
auf dem Holzdach der angrenzenden Vierzehn-Nothelfer-Kapelle. |
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Der Gendarm war alleine. Ungehört
verhallten zuerst die "Fuirioh"-Rufe des Gesetzeshüters.
Nach einem 14- bis 16-Stunden-Arbeitstag schliefen die
Bewohner tief. Endlich stürzten die ersten Anwohner
schlaftrunken aus ihren brennenden Häusern, denn
da brannten schon drei, vier, fünf, sechs Häuser
lichterloh. Die geschockten Menschen versuchten ihre wichtigste
Habe, ihr Vieh, aus den Ställen zu retten. Die freigelassenen
Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Pferde und Hühner
halfen den verzweifelten Einwohnern, das Chaos auf den
engen Gassen zu vervollständigen. |
| Sechs Wochen hatte
es nicht geregnet. Seit Tagen lag eine lähmende
Schwüle erdrückend über dem Bergdorf.
Ein Funke genügte, um die ausgedörrten Landerdächer
(mit Steinen beschwerte Legschindeln) zu entflammen.
Und nun flogen Tausende solcher Funken wie glühende
Hummeln durch die Lüfte. Um das Unglück
zu vervollständigen setzte auch noch ein kräftiger
Nordwind ein und trieb das Feuer ortseinwärts.
In dem allgemeinen Durcheinander war auch noch kein
Feueralarm gegeben. Erst musste der Mesner geweckt
werden, der dann endlich mit dem "Sturmläuten"
begann. Es dauerte alles lange, viel zu lange, bis
die Leitern, Löscheimer, Feuerhaken und Spritzen
vom Rathaus zur Brandstelle kamen. |

Bild 2: Oberstdorf nach der Brandkatastrophe |
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Es brannte schon die ganze Nachbarschaft.
Mit Wassereimern und nassen Tüchern fochten Bewohner
auf ihren Hausdächern einen verlorenen Kampf gegen
den Funkenregen. Die auf der Bäckergasse eingesetzte
erste Feuerspritze wurde von den Flammen eingeschlossen.
Mit dem letzten Wasser sich selbst übergießend
retteten die "Spritzenmänner", durch Rauch
und Feuer rennend ihr Leben. Die Spritze verbrannte. Mein
Gott, wo blieb denn die angeforderte Hilfe? Zu Beginn
des Brandes waren doch die eingeteilten "Feuerreiter"
auf ihren Pferden in die nächstliegenden Gemeinden
(Schöllang, Fischen, Tiefenbach) gesprengt, um dort
zu alarmieren. Die Vorsteher dieser Orte hatten wiederum
mit ihren Reitern die nächsten
Gemeinden zu verständigen und um "Überlandhilfe"
anzugehen. |
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Zwischenzeitlich übersprang
die alles vernichtende Feuerwalze Gasse um Gasse. Immer
öfter gewahrte ein Helfer, dass sein eigenes, weiter
entfernt stehendes Haus auch brannte. Nur so konnte geschehen,
dass Tiere in den Ställen verbrannten und sogar Betten
und das wenige Bargeld zugrunde gingen. In dem Augenblick,
als die Retter glaubten der "Untere Markt" (der
Westteil des Ortes) sei verloren, und aufgeben wollten,
kamen die Hilfsmannschaften der Nachbargemeinden mit schaumbedeckten
Pferden angesprengt. Mit den zusätzlichen Feuerspritzen
und den frischen Kräften konnte eine echte Widerstandslinie
aufgebaut werden. Der "Untere Markt" war gerettet!
Das Ende der schrecklichen Stunden schien greifbar nahe. |
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Bild 3:Nachdem die alte Feuerspritze
von den Flammen zerstört war, baute Franz Xaver
Geißler diese "moderne Löschmaschine" |
Da spielte der
"Rote Hahn" seinen stärksten Trumpf
aus. Der Wind sprang urplötzlich von Nord auf
West um und trieb den Glutball ins Zentrum. Ein vom
Feuersturm in die Lüfte gerissenes Holzstück
setzte das Schindeldach des Kirchturmes in Brand.
Von dem schönen Gotteshaus mit der reichen Barockausstattung
blieben nur die Außenmauern stehen. Um 5.10
Uhr versagte die Kirchturmuhr ihren Dienst. Die vom
berstenden Joch in die Tiefe stürzenden Glocken
hatten das Uhrwerk mitgerissen. Zusammen mit den immer
neuen Helfern konnte endlich im Bereich der heutigen
Metzgerstraße die Feuersbrunst gestoppt werden.
146 Gebäude, darunter Kirche,
Schule, Rathaus, Pfarrhof, sämtliche Bäcker,
Krämer und Metzger waren abgebrannt, 27 Wohnhäuser
waren mehr oder weniger beschädigt. |
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Wo tags zuvor blühende Obstbäume
zwischen sonngebräunten Holzhäusern eine heile
Welt dokumentierten, ragten nun neben ausgebrannten Gebäuderesten
verkohlte Baumstümpfe zum Himmel. Eine trostlose
Öde zeigte sich dem Beschauer und doch hatte Oberstdorf
großes Glück im Unglück. Um mit Schiller
zu sprechen: "... Erzählt die Häupter seiner
Lieben und siehe da, es fehlte keines."
Viel wurde gerätselt, ermittelt, vermutet, getuschelt,
doch wurde die Brandursache nie eindeutig geklärt.
Jahrelang habe ich in dieser Sache recherchiert und zentnerweise
Akten, Protokolle und Aufzeichnungen durchforstet. Mir
scheint, dass der Küchenherd des Franz Schratt der
Ausgangspunkt der Katastrophe war.
Heute im Zeitalter der Technik schützt uns eine über
100 Mann starke bestausgerüstete und ausgebildete
Feuerwehr, dass sich so ein Unglück nicht wiederholen
kann. Das Schicksal hat das arme Bergbauerndorf 1865 hart
getroffen. Gleich dem Landmann, der vor seiner vernichteten
Ernte steht, fanden die Menschen in ihrem Glauben die
Kraft zum Neubeginn. |
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Bild 4: Oberstdorfer Ortsplan 1865.
Die rot gekennzeichneten Gebäude wurden vom Feuer
total vernichtet |
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Text aus dem Oberstdorfer Magazin (Verfasser
unbekannt, Eugen Thomma ?) |
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