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Votiftafeln in der Marienkapelle

Früher war die Marienkapelle gefüllt mit Votivtafeln, die jedoch in den letzten 150 Jahren aus den verschiedensten Gründen entfernt wurden und verloren gingen. Nur wenige entgingen diesem Bildersturm. Im Fogenden habe ich die heute noch vorhandenen Votivtafeln nach ihrem Alter geordnet aufgeschrieben. Außerdem sind noch Angaben zu den verlorengegangenen Tafeln zu finden. Zur Geschichte des Votivkultes in Oberstdorf und zu den Loretteokapellen finden Sie eigene Seiten.
 
1668, kranker Mann auf Stuhl
Darstellung: kranker Mann auf Stuhl, Arzt, in die Natur eingebetteter stilisierter Raum, Gnadenbild
Text: Anno 1668, ist dem Ehrnuesten Herrn Hanß Jacob Linder, ein Zustand an dem Hals geschehen, so bald er sich hieher verlobt, ist es Gott dem Allmechtigen vnd seiner werthen Mutter sey Lob Ehr vnd Danck ...
1676, Votivbild mit Chirurgen
Darstellung: Mann im Krankenbett, Tisch mit Blumen, Buch und Arztbesteck, 2 Männer (Chirurgen, Ärzte oder Feldscher), Gnadenbild
Text: Ich peter Lentz under Hochlebliche starbergist. Regiment, vnder dem oberiste Leitnam Tonvi Tövular hab ich mich in meinem schwerden Zustandt wie alhie zu sehen ist wie ich vor filiburg bis geshossen worden an meine bede Shenkel von 2 shitze ich aber nit hab Kende kuriert werden. So ist 1 dochor 2 felsherer an meinem Standt erlegen So Hab ich ein mol kein meshliche hilff mer gehabt. bin Ich in meinem bett gelegen, So hab ich mich in dem Shutz der himelkining. Maria Zu Loreto nach oberstoff versprochen wan ich wider kurirt werden. So hab ich mich 3 freitag mitt 7 rueßfell, mitt blose knie mein andacht zu ver Riche So = Baldt ich diese gelibt ver Rich habe, So ist mein Zustandt.Besser worde got vnd der himelkining Maria Sey lob, vnd danch meiner beserung. halbe 1676
Anmerkung: Peter Lentz wurde bei der Belagerung von Philippsburg verwundet. Im Jahr zuvor war er wahrscheinlich mit seinem Regiment in Oberstdorf über den Winter einquartiert und lernte damals unseren Wallfahrtsort kennen. Er führte seine Genesung dann auf sein Gelübde an die "Himmelskönigin" zurück und ließ die Tafel anfertigen. (1)
vor 1700, Stifterfamilie vor Altar mit Gnadenbild
Darstellung: Stifterfamilie (14 Personen, davon 2 Geistliche) vor Altar, Gnadenbild.
Text: Fir die Riezlerische und Merlische Freindschafft, wirdt L. Stifftung alle quatember mitwoch zue allen Zeiten des Jahrs ein H. Mesß In diser vnser lieben Frauen Cappellen hinfiran geleßen werden.
Bei allen stehen die Namen der Familienmitglieder, bei den Priestern stehen die Abkürzungen A.R.D.P.P.M. und A.R.D.P.E.N. .
Anmerkung: Stifterbilder sind eine Vorform der Votivtafeln. Die Hoffnung der Stifter sind auf das Jenseits gerichtet und nicht auf eine unmittelbare irdische Not.
1714 (?), Abt Herrmann Vogler von Rot a. d. Rot
Darstellung: Abt Herrmann mit Gefolge, Gnadenbild, Stift Rot an der Rot, Putto mit Schrifttafel
Text: Potentissimo Praesidio ter Cloriosae Creati Universi imperatricis ad Alpes Algoicas oberstorffu lauretano = thaumaturgae se suamqe Canoniam Imperialem Candidam Rothensem sub pacis, martisqe discriminibus devotissimo subst = ernit Comendatqe affectu frumilli mo. Anno a partu virgineo septingentesimo decimo qarto supra mille = sinum Hermanus Abbus Rothensis.
Von Ludwig Mayer und Ludwig Merk stammt folgende Übersetzung des lateinischen Textes:
" Dem vielmächtigsten Schutz der dreimal ruhmreichen Herrin des geschaffenen Alls, die zu Oberstdorf an den Allgäuer Alpen als unsere wunderbare, wundertätige Frau von Loretto geehrt wird, unterstellt und empfiehlt sich sein weises Kanonikat mir ergebensten und demütigsten Sinn unter den Wechselfällen des Friedens und Krieges. Im Jahre 1714 nach der Geburt von der Jungfrau, Herrmann, Abt von Roth" (2)
Anmerkung: Abt Herrmann hieß eigentlich Josef Vogler und wurde 1680 in Oberstdorf geboren. In jungen Jahren trat in das Kloster Rot ein und bekam dort den Namen Herrmann. 1711 wurde er zu Abt des Klosters erwählt. Nach 28 Jahren trat er als Abt zurück und lebte noch 10 Jahre als einfacher Chorherr in Rot.
1700 - 1750, Kranker Mann im Bett
Darstellung: kranker Mann im Bett, daneben Tisch oder Hocker mit Glas und Arzneiflasche, das gesamte in einem offenem Raum, der in seine Umwelt eingebettet ist. links oben: Mutter Gottes mit Kind.
1760/70, Lechtaler Kreuzprozession
Darstellung: Kreuzprozession vor den Lorettokapellen, Gnadenbild, rechts davon - getrennt vom Rest des Bildes durch eine Rocaille - liegen die Heimatorte des Lechtaler: Elbigenalp, Stockach und Holzgau.
Text: EX VOTO
Anmerkung: Die Lechtaler veranstalteten im 16. und 17 Jahrhundert sehr viele Prozessionen zu den Lorettokapellen. Es können alleine 8 Prozessionen schriftlich nachgewiesen werden. Leider ist das Erstellungsjahr, wie auch der Künstler des Bildes genauso umstritten. Nachdem in diesem Jahr die Wallfahrten aus dem Lechtal wieder auflebten, wäre es sicher an der Zeit, das Thema des Bildes in einer eigenen Arbeit aufzugreifen.
1825, Kuh mit Gnadenbild
Darstellung: Kuh, Gnadenbild
Text: EX VOTO 1825
Bemerkung: Diese und die folgenden zwei Votivtafeln stammen ursprünglich aus der Gschliefkapelle und wurden 1972/73 in die Lorettokapelle verlegt. Gerade solche einfache Tafeln fanden nur 4 Jahrzehnte zuvor den Weg in die Mülltonne. Heute müssen aus Sicherheitsgründen an die Alarmanlage angeschlossen werden.
1800-1850, Kuh mit kniendem Hirten
Darstellung: Kuh, kniender Hirte , Gnadenbild
Text: EX VOTO
1800 - 1850, Pferd mit Gnadenbild
Darstellung: Pferd, Gnadenbild
1880, Marterl für Viktorinus Hindelang
Darstellung: Texttafel
Text: siehe Bild
Anmerkung: Diese und die folgende Votivtafel nehmen eine Sonderstellung ein. Aber Marterl dieser Art werden interessanter Weise auch beim Landesamt für Heimatpflege unter der Rubrik "Votivtafeln" geführt und katalogisiert.
1914 Marterl für Leonhard Wallner
Darstellung: Marterl mit unterteiltem Bild- und Textteil, Leichenzug in einem Gebirgstal, Sarg auf einem mit 2 Pferden gezogenen Wagen, Gnadenbild
Text: siehe Bild
Diese wenigen Votivtafeln erzählen uns von der Gläubigkeit unserer Vorfahren. Gibt es diese Gläubigkeit noch heute? Um Loretto ist es still geworden. Doch trotzdem - die Lorettokapellen sind wieder beliebt - oder waren sie nie vergessen? Die Eintragungen in den aufliegenden Wallfahrtsbüchern sind nie abgerissen und beweisen dazu, dass die Kapellen immer noch ihrem ursprünglichen Zweck dienen. Tagtäglich suchen viele Besucher Ruhe und Besinnung in einer der Kapellen. Sogar die Wallfahrt aus dem Lechtal ist in den letzten beiden Jahren wieder aufgelebt.

Im folgenden versuche ich, mit Hilfe der mir zugänglichen Literatur eine Bestandsaufnahme der Votivtafeln zu geben, die verlorengingen. Besonders bei F. A. Schratt können wir uns nachträglich dafür bedanken, dass er sich um die Jahrhundertwende die Arbeit machte, alle ihm bekannten Votivtafeln aufzuschreiben. Aufzählungen, die nicht mit einer Nummer gekennzeichnet sind, entstammen seiner Arbeit.
1658
Die älteste erwähnte Votivtafel trug folgenden Text: "Michael Bracks todtes Kind erlangt am 6. Tage von der Mutter Gottes allhier das Leben und Taufe, den 1. October 1658.''(15)
1666
Die ehemalige Bruderschaft vom Namen Jesu widmete eine Tafel.
1670
Ulrich Geißler aus Altstädten bekundete durch eine Votivtafel seine dort erfahrenen Hilfen wegen Krankheit im Stall.
1677
Barth. Renn stiftete auch aus dem obigen Grund eine Tafel.
1677
Darst.: kniende Frau, Gnadenbild, 3 Kapellen
Text: Anno 1677 Hab ich ein schwere Kranckhaidt geholt und durch Kunst der Muetter Gottes zur Gesundthaidt geholfen worden. (16)
1689
Darst.: Kranker Mann im Bett, sakraler Raum, Gnadenbild als Altarbild (17)
Text: Gott vnd Maria zur lob + H. Johannes Weber von oberstorff schon lange Zeit unter schwer Kranchheit gelgen durch Macht + Gunst der Gottes Mutter geholffen worden. Anno 1689. (18)
17. Jahrh.
Einem Martin Ruep aus Ostendorf im Konstanzer Tal wurde am 5. März geholfen.
Weitere Tafeln: 1663, 1664, 1668, 1670, 1672, 1673, 1674, 1676, 1677, 1685, 1689 und 1695.
1722
Eine Votivtafel des hl. Josef wurde hierher gewidmet. Gemeint war ausnahmsweise die Josefskapelle.
1776
Christoph Suiter widmete wegen Wassernoth nach Loretto eine Votivtafel .
1776
Darst.: trabendes Pferd, Gnadenbild mit prächtigen Faltenkleid (19)
1794
Darst.: Kniender Mann, Gnadenbild (hl. Familie)
Text: Ex Voto 1794 (20)
1798
Darst.: totes Kind, Gnadenbild mit reichgefaltetem Barockkleid,
Text: EX VOTO 1798 (21)
1799
Darst.: Lechthalerinnen mit dem eigentümlichen Kopfputz
18. Jahrh. Weitere Tafeln: 1702, 1703, 1706, 1723, 1725, 1760, 1772, 1785, 1794 und 1798
um 1800
Darst.: offene Landschaft mit spärlichem Zweig, Gnadenbild (22)
Darst.: Mutter und Kind, kniend vor Altar,Gnadenbild (23)
1840-1860
2 Tafeln, Darst.: grasende Kühe in friedlicher Bergwelt mit Gnadenbild (24)
1871
Darst.: Bürgerliche Familie (Sohn,Vater und Mutter), Gnadenbild (25)
19. Jahrh.
Eine Votivtafel ist wie folgt beschrieben: "... und dort ist ein junger Mann als Soldat abgebildet, als er 1812 nach Rußland zog, hat ihn seine Mutter den Schutz der hohen Mutter empfohlen u. er war gesund zurückgekehrt."
Weitere Tafeln: 1818, 1827, 1831, 1832, 1841, 1852, 1870, 1886
um 1900
Darst.: krankes Kind in Wiege, Gnadenbild (26)

 
Literatur:

(1) Grundmann, Die Sprache der Votivbilder, in: Das schöne Allgäu 38 (1975) S.159
(2) Ludwig Mayr und Ludwig Merk, a. a. O. S. 13,14,15
(15) Johann Nep. Stützle, Die Katholische Pfarrei Oberstdorf, Kempten 1848, S. 19
(16) Erika Oberndorfer a. a. O.S., 91
(17) Ebd S. 92
(18) Ebd. S. 105
(19) Ebd. S. 88
(20) Ebd. S. 94
(21) Ebd. S. 86
(22) Ebd. S. 89
(23) Ebd. S. 89
(24) Ebd. S. 87
(25) Ebd. S. 90
(26) Ebd. S. 93

Weitere Informationen:
- Die Abbachkapelle
- Die Marienkapelle
- Die Josefskapelle
- Der Votivkult und die Lorettowallfahrt in Oberstdorf
Weitere Links:
Spaziergang: Lorettokapellen und Moorweiher
Stand: 08.03.2009
 
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