| Viehscheid - Was ist das? |
Der September ist im Allgäu
die traditionelle Viehscheidsaison. Jeder Ort hat
in diesen Tagen seinen "Viehscheid", der
mit einem entsprechenden Fest gefeiert wird. Aber
was wird eigentlich gefeiert?
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| Über 2 Monate sind das Vieh und ihre Hirten auf den
Alpen. Der Bergsommer macht das Vieh gesund und widerstandsfähig.
Die Heimkehr von den Sommerweiden wird als Volksfest,
Viehscheid genannt, gefeiert. |
| Am Tag des Viehscheides kommt
das Jungvieh vom Berg zurück und wird den Besitzern
wieder übergeben. Der Hirte kennt sein Vieh und ruft
den Namen des Bauern auf, dem dieses Stück Vieh gehört.
Er scheidet (trennt) das Vieh aus. Verlief der Alpsommer
ohne Unfall, dann wird die Herde von der hübsch geschmückten
Kranzkuh angeführt. Natürlich ist es ein willkommener
Anlass für die Hirten, das Ende des arbeitsreichen
Sommers ausgiebig zu feiern. Bis heute gehört der
Viehscheid deshalb zu den wichtigsten Oberstdorfer
Feiertagen. |
| "Schöllanger Scheid" |
Achtung!
2010 finden der Viehscheide in Schöllang ausnahmsweise am 11.9.2010 statt statt, da sonst er sonst auf einen Sonntag fallen würde! |
| Am 12. September findet traditionell
der "Schöllanger Scheid" statt. 700 Tiere von 4 Alpen (u.a. Entschenalpe, Käseralpe)
ziehen am Scheidplatz ein. In Schölland liegt er südlich
des Ortes und ist nicht zu übersehen. Unter anderen
spielt die Blasmusik Schöllang im Festzelt zünftig zur
Unterhaltung auf. Auf Grund des Verkehrsaufkommens und der Viehherden
ist die Kreisstraße zwischen Oberstdorf und Schöllang
gesperrt und es empfiehlt sich die Anfahrt entweder mit
dem Rad oder dem öffentlichen Nahverkehr (Bus) von Oberstdorf
(Busbahnhof), Fischen oder Sonthofen aus. |
| "Oberstdorfer
Scheid" |
| Am 13. September folgt dann der "Oberstdorfer
Scheid". Rund 1000 Jungrinder
treffen im Laufe des Vormittages im sogenannten Ried
ein. Die Rappenalpe macht gegen 9:00 Uhr den Anfang
und etwa um 11:00 Uhr wird die letzte, die Alpe Traufberg,
am Scheidplatz einziehen. Natürlich gibt es auch hier
ein Festzelt, in dem Allgäuer Volksmusikanten für
die richtige Stimmung sorgen werden. |
| In Oberstdorf befindet sich der Scheidplatz ebenso
im Süden des Ortes, beim Renksteg. Auch hier ist die
Anfahrt mit dem Auto eigentlich nicht zu empfehlen,
aber über der Westumgehung (Richtung Fellhornbahn)
möglich. Schöner ist es, entweder zu Fuß Richtung
Süden zu wandern oder mit der Pferdekutsche vom Megever
Platz (gleich beim Marktplatz) aus zu fahren. Natürlich
gibt es auch eine Busverbindung vom Busbahnhof und
von den Auffangparkplätzen aus. |
| Geschichte |
| Leider fand ich in der Literatur keinen Hinweis, seit wann diese Viehscheide bei uns abgehalten wurden. Laut Reiser war der Oberstdorfer Scheid vor hundert Jahren der "bedeutsamste und interessanteste der Allgäuer Viehscheide". |
| Die Scheid-Termine stehen jedoch in Abhängigkeit mit dem "Mangenmarkt" am 14.9. in Sonthofen. Das war der größte Viehumschlag im gesamten bayerisch-schwäbischen Raumes. Wer Vieh verkaufen wollte, kam um diesen nicht herum. Deshalb mussten die Viehscheide vorher abgehalten werden. |
| Der "Mangenmarkt" bestand schon seit 1429, der Markterhebung Sonthofens. Ursprünglich fand er nach dem julianischen Kalender am 6.9., dem Geburtstag des Hl. Magnus, statt. Nach der Kalenderreform 1586 hätte er eigentlich nach dem neuen gregorianischen Kalender auf den 26. August verlegt werden sollen. Dieser Termin war natürlich auf Grund des späteren Alpabzuges sinnlos. Aber erst 1595 ließ sich der Augsburger Bischof überreden, den Termin neu festzusetzen. Trotzdem blieb der Name des Marktes erhalten. Heute gibt es diesen Markt nicht mehr. |
| "Älplerletze" |
| In den letzten Jahren ist es auch auf einem Teil unserer Alpen Brauch geworden dies zu feiern. Dabei wird eigentlich der letzte Tag, bzw Abend vor dem Auszug mit einem Fest gefeiert. Dieser Brauch wurde ursprünglich aus dem Walsertal als "das Letzele" überliefert. Früher sei oft die ganze Nacht hindurch "geletzelet" worden. |
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| "Matthästag" |
| Da die Sennalpen meist etwas tiefer liegen als die Galtalpen findet der Alpabzug auch etwas später, nämlich am "Matthästag", d.h. dem 21.9., statt. Die Oberstdorfer Sennalpen ziehen dabei von den Alpen herunter und durch den Ort zum Oybele. Dort findet dann ein "Mini-Viehscheid" statt. |
| Literatur: |
Reiser, Gebräuche, S. 383 ff
"Sonthofen im Wandel der Geschichte", Hipper Richard und Kolb Ae., Sonthofen, 1978, S. 341 ff
Alt oberstdorf, S. 275
Geschichte des Marktes III, S. 15 ff
Der Oberstdorfer "Viehscheid am 13. September eines jeden Jahres - Zufall oder Berechnung?", in Unser Oberstdorf, Heft 36, Huber Leo, Oberstdorf 2000, S. 1137 |
| Links: |
| > Alpwirtschaft |
| Stand:
23.08.2010 |
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